Unser Wasser feiert Jubiläum

 [Text: Monika Schierl M. A.]

 

Bald steht der Sommer wieder vor der Tür und mit ihm all die angenehmen Dinge, die wir mit Wasser verbinden: Besuche im Freibad und Nachmittage im Planschbecken. Kolonnen werden sich wieder vor den Autowaschanlagen bilden und so manch figurbewusster Mensch gönnt sich sein Wassereis in der Mittagspause.

In früheren Zeiten stand die Wasserversorgung für ganz andere Dinge: Wasser war essenziell, man brauchte es zum Kochen, Trinken und Waschen.

Die ersten Schrobenhausener hatten sich ihr Wasser sicherlich noch aus der Paar und aus natürlichen Quellen im näheren Umland geholt. Wir können erstmals Anfang des 12. Jahrhunderts eine von Menschenhand gebaute Anlage zur Wasserförderung in Schrobenhausen nachweisen: ein Brunnen, der auf dem heutigen Lenbachplatz stand und der bei archäologischen Grabungen wiederentdeckt worden war. Mittlerweile wurden über 50 solcher Brunnen innerhalb der Altstadt gefunden – ganz zu schweigen von jenen, die erst in den letzten Jahrzehnten aufgestellt worden sind und seither die Stadt um erfrischende Plätze reicher machen.

 

Wer es sich leisten konnte, ließ in Schrobenhausen Leitungen verlegen, um fließendes Wasser zu haben. Es handelte sich dabei anfangs noch um Holzkonstruktionen. Bis zu vier Meter lange Baumstämme wurden mit einem Deichelbohrer ausgehölt und mit Muffen verbunden. Die unterirdisch verlegten Holzleitungen waren oft undicht und verrotteten schnell, so dass man sie nach etwa 20 Jahren wieder gegen neue Exemplare austauschen musste.

Bereits Mitte des 15. Jahrhunderts ließ die Stadt solche Leitungen errichten. Es ist jedoch unklar, an welcher Stelle sie verliefen und wofür das Wasser genutzt wurde. Um 1500 wurde das Pflegschloss über Leitungen mit Wasser versorgt, später ebenso die öffentlichen Brunnen. Und auch die in großer Zahl vorhandenen Brauereien profitierten von dieser Art der Wasserversorgung.

 

Doch mit der Wasserqualität stand es über Jahrhunderte hinweg trotz all dieser Anlagen nicht zum Besten. Und die Bevölkerung wuchs stetig, immer mehr Wasser musste in die Stadt geleitet werden. Schließlich sprach es sich bis zum Magistrat der Stadt herum, dass die Stadt München an ein modernes Leitungsnetz angeschlossen worden sei. Nun sollte Schrobenhausen nachziehen. Die alten, undichten Holzleitungen wurden 1869 durch Eisenrohre ersetzt und das ganze Versorgungssystem erstmals vernünftig überplant. Die Euphorie war groß, die Ernüchterung folgte schnell. Die Rettenbacher Quellen im Süden der Stadt lieferten viel Wasser. Doch so mancher Wasserhahn in der Stadt tröpfelte nur müde vor sich hin. Der Wasserdruck reichte bei Weitem nicht aus, um die ganze Stadt gut versorgen zu können. Durch den geringen Druck in den Leitungen bildete sich darin zunehmend Rost, so dass die Durchlässe immer kleiner und das Wasser selbst immer dreckiger wurde. 1893 nahm man die Pappenberger Quellen mit ins Leitungssystem auf, die bei der Bevölkerung jedoch keinen guten Ruf hatten. Wer vernünftig war, verwendete dieses Wasser weder zum Kochen, noch zum Trinken. Nun sollte dieses Wasser die Probleme der Schrobenhausener Bevölkerung lösen helfen, was nicht gelang. Noch 1910 wurde Soldaten verboten, das Wasser aus Schöpf- oder Pumpbrunnen zu trinken, da man die gesundheitlichen Folgen fürchtete. Doch die Beliebtheit des Leitungswassers hielt sich in der Bevölkerung ebenfalls in Grenzen.

 

Die bisherigen Wasserleitungen arbeiteten ausschließlich über den natürlichen Druck, der über das Gefälle des Wasserlaufes von den Quellen bis in die Innenstadt aufgebaut wurde. Der Magistrat scheute um 1900 einen kompletten Neubau der Wasserversorgung, die über eine technisch ausgefeilte Hochdruckwasserleitung zu aller Zufriedenheit geregelt werden hätte können. Die Stadt versuchte, mit kleineren, halbherzigen Ausbesserungsarbeiten das alte System zu retten und doch noch auf einen guten Weg zu bringen. Als man sich doch zur Hochdruckwasserleitung durchrang, kippte der Hausbesitzerverein die Entscheidung, da er eine solche Leitung doch nicht für notwendig hielt und ebenfalls Angst vor hohen Kosten hatte. Die Planungen und Beratungen zogen sich über einige Jahrzehnte hin.

Erst Ende 1928 sollte Schrobenhausen die Einweihung eines effizienten und hochmodernen Wassersystems erleben. Das Wasser wurde über Sattelberg und Aresing nach Schrobenhausen geführt. 25 Kilometer Leitungen versorgten nun die Bevölkerung. Die Innenstadt wurde mit 132 Hydranten versehen, die der Feuerwehr fortan zur Brandbekämpfung dienen sollten. Und die Feuerwehr war es schließlich auch, die zur Einweihung der Hochdruckwasserleitung am 21. November 1928 eine feierliche Spritzübung am Alten Rathaus durchführte und somit zeigte, dass Schrobenhausen nun auch ordentlich Druck auf die Leitungen brachte – damals wie heute zum Segen der Schrobenhausener.